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Wie ein schlauer Handschuh die Industrie verändert

(Quelle: ProGlove)

Das Münchener Start-Up Proglove will Arbeitern mit seinem hochmodernen Scannerhandschuh die Arbeit erleichtern und Prozesse beschleunigen.

Die Industrie 4.0 und das Internet der Dinge (IoT) mag für viele noch Zukunftsmusik sein, doch nach und nach sickert sie in den Alltag vieler Arbeiter ein. Eine ganze Reihe von Start-ups entwickelt Geräte, die Industrie- und Fertigungsprozesse schon heute mithilfe von Sensoren und künstlicher Intelligenz einfacher machen.

Eine dieser Firmen ist die Münchener Firma Proglove. Dort entwickeln Ingenieure smarte Handschuhe. Die modifizierten Kleidungsstücke sollen Arbeitsprozesse – zum Beispiel in einem Lagerhaus – deutlich vereinfachen und beschleunigen.

Die Handschuhe erinnern optisch an die Modelle, die etwa Handwerker zum Schutz beim Glasschneiden tragen. Oben haben die Macher einen kleinen Scanner aufgesetzt, der etwa Barcodes registrieren kann. Die Idee: Der Arbeiter kann gleichzeitig Teile ins Regal einräumen und sie scannen. Er benötigt keine klassische Scannerpistole mehr und hat permanent zwei Hände frei.

Darüber hinaus erkennt der Handschuh anhand der Barcodes, welche Teile der Arbeiter gerade in die Hand nimmt. Diese Information lässt sich nutzen, um Fehler zu vermeiden. Nimmt der Beschäftigte ein Teil in die Hand, dass für eine bestimmte Aufgabe nicht geeignet ist oder setzt er es falsch ein, warnt ihn der Handschuh akustisch. So lässt sich unnötige Mehrarbeit verhindern und Zeit sparen.

BMW und Lufthansa sind Kunden

Gegründet wurde Proglove 2014 in München, das erste Modell – Mark genannt – wurde 2016 vorgestellt. Mittlerweile gibt es drei verschiedene Varianten des Handschuhes, eine komplett geschlossene und zwei, die die Finger freilassen. Bis heute hat die Firma 75 Millionen Euro Kapital eingesammelt. 2016 war der Umsatz bereits siebenstellig, im Jahr darauf vervierfachte Proglove diesen nach eigenen Angaben.

Zu den Kunden gehören Großkonzerne wie BMW, die Lufthansa und der Roboterhersteller Kuka. Bei so viel Erfolg der schlauen Handschuhe stellt sich die Frage: Braucht es bald überhaupt noch Menschen, die diese anziehen? „Wir glauben, dass der Mensch weiterhin fester Bestandteil der Industrie bleiben wird“, sagt Proglove-Gründer Thomas Kirchner vor kurzem anlässlich eines Smart-Factory-Events in München. “Im IoT-Zeitalter entwickeln sich die industriellen Prozesse rasant, doch wir sind davon überzeugt, dass menschliche Arbeitskräfte ihre zentrale Bedeutung behalten werden“, sagt auch Georg Ried von Bayern Kapital, einem der Geldgeber von Proglove. „Genau hier bietet die Technologie von Proglove ein erhebliches Wachstumspotenzial“.