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QR Codes: Gedenkstätten, Grabsteine und Altstädte gehen online

Ein Grabstein mit QR Code / Quelle: Andreas Rosenkranz

Der Steinmetz übt eines der ältesten Handwerke der Menschheit aus. Sogar Sokrates soll Steinmetz gewesen sein, bevor er zu einem der wichtigsten Philosophen der griechischen Antike wurde. Der Steinmetzbetrieb Albrecht aus Berlin steht somit in bester Tradition. Mit der Arbeitsweise der antiken Griechen hat das Handwerk heute jedoch wenig gemein. Statt Spitzmeißel und Zahneisen arbeiten Steinmetze heute auch mit computergesteuerten Kreissägen und Lastertechnologie.

Die Firma Albrecht steht auch für einen aktuellen Trend unter Steinmetzen: Sie meißeln QR Codes in Denkmäler und Pflastersteine. Das populärste Beispiel ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin, an dem 23 dieser sogenannten „QR Cobbles“ – codierte Pflastersteine – verlegt wurden. Besucher können diese QR Codes mit ihren Smartphones scannen und ein interaktives Konzert erleben, während sie sich durch das Stelenfeld bewegen.

Für das ohnehin sehr intuitiv erlebbare Denkmal in Berlin wirkt diese audiovisuelle Ergänzung sehr bereichernd. Doch die QR Cobbles finden auch andernorts ihre Liebhaber – zum Beispiel auf Friedhöfen. Schon vor zwei Jahren berichteten zahlreiche Medien über die Steinmetzwerkstatt von Andreas Rosenkranz aus Köln. Rosenkranz bestückt Grabsteine mit den pixeligen „Quick Response Codes“.

R.I.P. – Rest in Pixel

„Geht das zusammen?“, fragten die Kommentatoren und meinten  „die alte Welt“ mit ihren Särgen, Kapellen und Marmorsteinen und „die neue Welt“ der Smartphones, des Internets und der Allgegenwärtigkeit von Technik. Andreas Rosenkranz zeigt, dass es geht. Der interaktive Grabstein bringt den Hinterbliebenen ihre Verstorbenen näher – dank Internetseite mit Bildern, Gedichten und Gebeten. Auch Friedhöfe gehen mit der Zeit und so gehören Smartphone und Tablet möglicherweise bald genauso zum Bild, wie Blumen und Kerzen.

Beim privaten Trauerfall hört der Trend zum QR Cobble aber nicht auf. Auch der Tourismus wittert eine Chance und denkt über virtuelle Stadtführungen nach. Die codierten Pflastersteine könnten Informationen zu historischen Gebäuden, Plätzen und Personen liefern. Genügend Nutzer dürfte eine solche Idee wohl finden. Immerhin besitzt heute jeder zweite Deutsche ein Smartphone.

Konkurrenz könnten die Pixel-Quadrate allerdings von der iBeacon-Technologie bekommen. Denn die sendet ihre Daten ganz ohne zutun des Nutzers. Handy zücken, App starten, Code scannen, Informationen abrufen – das könnten viele Nutzer in Zukunft als zu umständlich empfinden. Möglicherweise verarbeiten die Steinmetzbetriebe Rosenkranz und Albrecht in Zukunft also iBeacons statt QR Codes. Was Sokrates wohl dazu sagen würde?