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Landkarte der Industrie 4.0 in Deutschland

Die Plattform Industrie 4.0 präsentierte am 18. und 19. November ihre Arbeit auf dem Nationalen IT-Gipfel in Berlin. Neben dem „Fachforum Industrie 4.0“ am ersten Tag stand am zweiten Gipfeltag die Praxis im Vordergrund: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm präsentierten gemeinsam die neue deutschlandweite Online-Landkarte der Plattform Industrie 4.0. Sie stellt über 200 Anwendungsbeispie aus der Industrie 4.0-Praxis dar.

Eine intelligente Datenbrille, die den Montage-Mitarbeiter durch einzelne Produktionsschritte führt, ein Onlinemarktplatz, auf dem sich Kunden per Smartphone-App Schaumstoffeinlagen selbst konstruieren können oder die weltweit erste, herstellerübergreifende Industrie 4.0-Anlage. Das sind nur drei der über 200 Beispiele, die ab sofort auf der neuen virtuellen Landkarte zu finden sind.

„Deutschland ist international führend in der Umsetzung von Industrie 4.0. Das zeigen die vielen verschiedenen Anwendungsbeispiele und Testumgebungen auf der Online-Landkarte der Plattform Industrie 4.0. Sie machen deutlich, was mit einer digitalisierten Produktion heute schon alles möglich ist. Und warum es sich lohnt, in Digitalisierung zu investieren. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen brauchen Unterstützung dabei und einen koordinierten Zugang zu den neuen Technologien. Ein Umdenken anstoßen, inspirieren und Hilfestellung leisten – wir als Plattform Industrie 4.0 wollen Unternehmen in ganz Deutschland auf ihrem Weg durch die vierte industrielle Revolution begleiten. Ergebnisse und Empfehlungen der Plattform aber auch die Übersicht über Anwendungsbeispiele und Testumgebungen mit Hilfe der Online-Karte helfen uns, diesen Weg gemeinsam erfolgreich zu gehen“, so Bundesminister Gabriel.

Neben den Beispielen, die Anwendungen aber auch Angebote aus der Industrie 4.0-Praxis in verschiedenen Bereichen von Produkt-Design, Produktionsengineering, Produktion über Logistik bis hin zu Service, zeigen, sind auf der Karte auch Testumgebungen abgebildet, in und mit denen Industrie 4.0-Anwendungen erforscht, getestet und weiterentwickelt werden können. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sind sie ein wertvolles Angebot, um Industrie 4.0-Anforderungen zu erproben – ohne zuvor in eine eigene, meist kostspielige Forschungsinfrastruktur investieren zu müssen. „An mehr als 500 Forschungsstandorten haben wir in Deutschland Projekte zu Industrie 4.0 gestartet. Unsere Forschung kommt an und hilft vor allem dem Mittelstand beim Zugang zur vernetzten Produktion. Sie müssen neue Ideen und Techniken praxisnah auf Industrie 4.0-Tauglichkeit testen können. Dafür sind Testumgebungen, sogenannte „test beds“, erstklassige Erprobungsplattformen, die in Deutschland aufgebaut werden und jetzt noch stärker von Unternehmen genutzt werden müssen“, so Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung.

Demonstrator macht Industrie 4.0 live erlebbar                

„Bis zur vollständigen Umsetzung der Vision von Industrie 4.0 wird noch Zeit vergehen – aber wir können heute schon zeigen, dass Industrie 4.0-Lösungen in vielen verschiedenen Varianten zum Nutzen von Anwendern und deren Kunden zum Einsatz kommen“, so Siegfried Russwurm. Er veranschaulichte mithilfe des Industrie 4.0-Demonstrators „typische“ Szenarien aus einer digitalisierten Produktion: ein Transportsystem, das sich intelligent an Veränderungen anpasst, ohne dass manuell eingegriffen werden muss, oder eine individuelle Fertigung mit Bearbeitungszeiten und -schritten, die sich automatisch nach den Produkten richten, die auf den Wagen transportiert werden, oder eine Service-Cloud, um die Verfügbarkeit der Anlagen aus der Ferne zu überwachen.

Zwischen klassischer Produktion und neuen Diensten

Worauf liegt der Fokus der Arbeit der Plattform Industrie 4.0? Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Weg hin zu Industrie 4.0 mitnehmen? „Innovation entsteht nicht durch Technologie selbst, sondern erst aus dem Nutzen für Anwender. Daher stellt die Plattform Industrie 4.0 nicht so sehr die Technologie in den Mittelpunkt, sondern Lösungsansätze für Herausforderungen der produzierenden Industrie und beleuchtet die verschiedenen Rollen im Wertschöpfungsnetz – aus Anwender- und Anbieterperspektive“, so Russwurm.

„Entscheidend für die Arbeit der Plattform Industrie 4.0 ist die Frage: Was bedeutet dies für unsere Arbeitsgesellschaft? Unternehmen und Politik müssen erkennen, dass Qualifizierung und Arbeitsorganisation strategische Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0 sind und die Wege dazu ebnen. Neue Lernformen und -prozesse in zusammenwachsenden Wertschöpfungsketten und -netzen können den Zugang für alle erleichtern. Dies ist aber ebenso wenig ein Selbstläufer wie eine menschengerechte Arbeitsorganisation. Mitbestimmung ist notwendige Voraussetzung erfolgreichen digitalen Wandels in Deutschland“, so Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall.

Im Rahmen des Fachforums „Plattform Industrie 4.0 – Gemeinsam den Wandel gestalten“ kamen die Parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) und Staatssekretär Georg Schütte (Bundesministerium für Bildung und Forschung) mit Expertinnen und Experten der Plattform Industrie 4.0 zusammen, um eine digital vernetzte Industrie in Deutschland zu erörtern. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden und Unternehmen diskutierten über die Vision der vierten industriellen Revolution, den Stand der Umsetzung in Deutschland und die nächsten Schritte auf dem Weg in die Industrie von morgen. Besucherinnen und Besucher des Forums lernten außerdem die Arbeit und Leiter der Arbeitsgruppen der Plattform Industrie 4.0 kennen.