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Innovationspreis 2015: Das sind die Finalisten

Lichtskulptur des Deutschen Innovationspreises, gestaltet von der Künstlerin rosalie / Quelle: Der Deutsche Innovationspreis

Die Finalisten des Deutschen Innovationspreises 2015 stehen fest und setzen mit ihren bahnbrechenden Konzepten Trends: Sie verbessern die Behandlung von Krebspatienten und optimieren die medizinische Forschung, ermöglichen günstigere Solarzellen und energieeffiziente Touchscreens, vereinfachen Online-Einkäufe und unterstützen hörgeschädigte Menschen durch den Einsatz neuster Technologie.

Zu den innovativsten Unternehmen 2015 gehören die Großunternehmen adidas in Kooperation mit BASF, Merck und Siemens, die mittelständischen Unternehmen Alacris, iT-CUBE SYSTEMS und VerbaVoice, sowie die Start-ups Barzahlen, Dynamic Biosensors und JPM Silicon.

Der Deutsche Innovationspreis ist eine Initiative von Accenture, EnBW, Evonik und der WirtschaftsWoche. Er wird in diesem Jahr zum sechsten Mal an Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland verliehen. Die Preisträger in den Kategorien Großunternehmen, mittelständische Unternehmen und Start-ups werden am 24. April 2015 im Rahmen eines Galadinners im Bayerischen Hof in München mit 350 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bekanntgegeben und geehrt. Schirmherr ist der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel.

DIE NOMINIERUNGEN IM EINZELNEN

Finalisten in der Kategorie Großunternehmen:

Adidas AG (Herzogenaurach) in Kooperation mit BASF SE (Ludwigshafen) für die „BOOST“-Mittelsohlen aus „Infinergy“-Partikelschaum

Die Zwischensohle eines Laufschuhs muss einerseits die Aufprallenergie dämpfen, soll andererseits leicht, gut stützend in der Stand- und flexibel in der Abstoßphase sein. Oft sind weichere Schuhe angenehmer, aber instabil. Die innovative „BOOST“-Schaumsohle verbindet Komfort mit maximaler Stabilität und Effizienz auch bei Temperaturschwankungen.

Sie besteht aus dem von BASF entwickelten expandierten thermoplastischen Polyurethanschaum „Infinergy“. Dieser wird durch das Aufschäumen von Polyurethan (TPU) hergestellt, wobei die herausragenden Eigenschaften Elastizität, Festigkeit und Dehnbarkeit erhalten bleiben. Sportler und Sportlerinnen haben in diesen Schuhen Spitzenleistungen gezeigt, u.a. lief Dennis Kimetto den Weltrekord beim Berlinmarathon 2014 mit adidas „Boost“ an den Füßen.

Merck KGaA (Darmstadt) für die UB-FFS-Technologie für Flüssigkeitskristall-Displays

Kaum eine andere Technologie hat unsere Kommunikationskultur und unseren Alltag so radikal verändert wie Smartphones und Tablets. Zum Durchbruch haben die brillanten Flüssigkeitskristall-Displays (LCD) einen entscheidenden Beitrag geleistet: Sie ermöglichen eine einfache und intuitive Steuerung über Wischgesten, Ablesbarkeit bei Sonnenlicht und aus unterschiedlichen Sichtwinkeln – bei minimalem Energieverbrauch zur Schonung der Geräteakkus.

Merck hat die Entwicklung der LCD entscheidend vorangetrieben und hält rund 2500 Patente im Bereich der Flüssigkeitskristalle. Die neuste Generation der von Merck entwickelten FFS-Technologie, UB-FFS („Ultra-Bright“) nutzt im Vergleich zu den Vorgängern 15 Prozent mehr Licht der Display-Hintergrundbeleuchtung aus und senkt so den Energiebedarf der Bildschirme um 30 Prozent.

Siemens AG (München) für den Zwei-Röhren Computertomograph SOMATOM Force

Bisher konnten Ärzte Kinder und ältere, geschwächte Menschen kaum mit Hilfe von Computertomographen untersuchen, weil für die Patienten die bisher relativ hohe Belastung mit Röntgenstrahlen, die hohen Dosen jodhaltiger Kontrastmittel und das Stillhalten in der Röhre kaum zumutbar waren. Da der SOMATOM Force schneller rotiert als bisherige Modelle, erstellt erfast doppelt so schnell eine Röntgenaufnahme.

Großer Vorteil: Die Patienten müssen nicht den Atem anhalten. SOMATOM Force reduziert erheblich die Strahlendosis, zum Teil auf Werte klassischer Röntgengeräte und liefert bei niedrigen Spannungen außerdem einen besseren Bildkontrast. Dadurch kann die erforderliche Dosis Kontrastmittel bis zu 45 Prozent niedriger sein. Deshalb eignet sich das Gerät u.a. auch für die Früherkennung.

Finalisten in der Kategorie Mittelständische Unternehmen:

Alacris Theranostics GmbH (Berlin) für individualisierte Krebsdiagnostik und Therapie mit „ModCell“

Derzeit ist es noch zu aufwendig, jeden Krebspatienten ganz individuell anhand seiner spezifischen Gene zu behandeln. Daher erfolgt die Therapie meist nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Die Patienten leiden dadurch unter den oft schweren Nebenwirkungen zum Beispiel einer Chemotherapie, obwohl die Mittel nicht optimal wirken.

Alacris hat daher Modellierungsverfahren (ModCell) entwickelt, um auf der Grundlage einer detaillierten molekularen Analyse des Tumors mögliche Wirkung und Nebenwirkung einer Therapie vorauszusagen. Diese komplexen Computermodelle lassen sich zudem für virtuelle klinische Studien nutzen, was erlaubt, neue Therapien schneller und kostengünstiger zu entwickeln.

iT-CUBE SYSTEMS AG (München) für die IT-Sicherheitslösung „agileSITM“

An mehr als der Hälfte aller Hackerangriffe auf Unternehmen sind eigene Mitarbeiter beteiligt. Der Mittelständler IT-Cube Systems aus München hilft, das zu verhindern. Er überwacht mit agileSITM SAP-Software, mit der die Kunden sensible
Auftrags-, Personal- oder Produktionsdaten verwalten. Und schlägt Alarm, falls sich jemand unerlaubt Zugriff verschaffen will.

Das Schutzsystem arbeitet vollautomatisch und versteht sich mit verschiedenen SAP-Programmversionen. Das Serviceangebot für die Innovation agileSITM umfasst u. a. Workshops, Testinstallationen, Systemintegration, Joint Development und Migrationsprogramme für Eigenentwicklungen des Kunden sowie Managed Service.

VerbaVoice GmbH (München) für einen mobilen Dolmetscherdienst für Hörgeschädigte

Vorträge, Beratungsgespräche – hörgeschädigten Menschen bleiben sie verschlossen, wenn kein Gebärdendolmetscher die Worte übersetzt. Doch die sind teuer. Daher bietet der Münchner Mittelständler VerbaVoice einen Online-Service für die ca. 80.000 Gehörlosen und 140.000 Schwerhörigen in Deutschland an: Ein Dolmetscher lässt sich via PC oder Smartphone zuschalten, übersetzt von seinem Büro aus simultan die Sprache und überträgt seine Gebärden per Videostreaming. Das senkt die Kosten deutlich, weil der Übersetzer nicht reisen muss und der Dienst stark automatisiert ist. VerbaVoice ist damit eine digitale und soziale Innovation für die Integration von Behinderten.

Finalisten in der Kategorie Start-up Unternehmen:

Cash Payment Solutions GmbH (Berlin) für „Barzahlen“, ein neues Internetbezahlsystem ohne Angabe privater Finanzdaten bei Online-Shops

Online einkaufen, mit Bargeld die Rechnung begleichen: Das ist die Idee des Berliner Start-ups Cash Payment Solutions. 550 Online-Händler bieten dessen Service inzwischen an. Wer ihn nutzt, erhält nach der Bestellung einen Barcode zum Ausdrucken oder einen Code per SMS auf sein Handy. Damit kann er in 6000 Supermärkten, Drogerien oder Kiosken die Order bezahlen. Vorteil: Der Käufer benötigt weder Kreditkarte noch Online-Banking.

Da laut einer Marktanalyse von Sage Pay die Kunden bei 46 Prozent aller Online-Einkäufe während der Auswahl der Bezahlmethode aufgrund von Sicherheitsbedenken den Bestellvorgang abbrechen, hat Barzahlen eine echte Marktlücke mit seinem Bezahlsystem geschlossen und ermöglicht, neue Kundengruppen für eCommerce zu erschließen.

Dynamic Biosensors GmbH (Martinsried/Planegg) für „switchSENSE“, ein Chip-basiertes Biosensor-System.

Um neue Wirkstoffe zu finden, testen Pharmaforscher, wie gut verschiedene Substanzen an bestimmte Zielmoleküle aus dem Körper andocken. Dabei müssen sie aus teils Hunderten Verbindungen den besten Kandidaten herausfischen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat das Start-up Dynamic Biosensors, eine Ausgründung aus der Technischen Universität München, einen cleveren Biochip entwickelt, auf dem die Messungen parallel stattfinden. Die Wirkstoffsuche wird dadurch wesentlich günstiger.

JPM Silicon GmbH (Braunschweig) für einen neuen Mikrowellenprozess zur Herstellung und Recycling von solarfähigem Silizium

Was eine Solarzelle kostet, bestimmt vor allem ihr Ausgangsmaterial: hochreines Silizium. Jan-Philipp Mai, Gründer des Braunschweiger Start-ups JPM Silicon, ist überzeugt, die Herstellkosten mindestens halbieren zu können. Er gewinnt das Silizium mit den elektromagnetischen Wellen eines Mikrowellenofens statt – wie bisher – in Lichtbogenöfen.

Das verkürzt den Herstellungsprozess enorm und senkt den Energieverbrauch drastisch: Mikrowellenöfen von JPM Silicon benötigen bis zu 50 Prozent weniger Energie und senken die Produktionskosten von Solarsilizium deutlich unter 10 US-Dollar pro Kilogramm. Damit hat das Start-up eine Schlüsseltechnologie für die Solarbranche entwickelt und wird damit zum Ausbau erneuerbarer Energien einen großen Beitrag leisten.

DIE JURY

  • Miriam Meckel (Vorsitz), Chefredakteurin, WirtschaftsWoche

  • Prof. Dr. Gerd Binnig, Gründer der Definiens AG und Nobelpreisträger für Physik (1986)

  • Prof. Dr. Hubertus Christ, ehem. Vorsitzender, Deutscher Verband technisch-wissenschaftlicher Vereine

  • Dr. Klaus Engel, Vorsitzender des Vorstandes, Evonik Industries AG

  • Prof. Dr. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft

  • Dr. Frank Mastiaux, Vorsitzender des Vorstands, EnBW Energie Baden-Württemberg AG

  • Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung, Accenture GmbH

  • Cornelia Rudloff-Schäffer, Präsidentin, Deutsches Patent- und Markenamt

  • Andreas Schmitz, Sprecher des Vorstands, HSBC Trinkhaus & Burkhardt AG

  • Prof. Dr. Günther Schuh, Direktor, RWTH Aachen Campus GmbH

  • Dr.-Ing. E.h. Manfred Wittenstein, Mitglied des Vorstandes, WITTENSTEIN AG

DER WISSENSCHAFTLICHE BEIRAT

Dr. Peter Fritz, Geschäftsführender Gesellschafter, Dr. Peter Fritz Consulting GmbH

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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Friederike Busch
Veranstaltungsforum Holtzbrinck Publishing Group

Taubenstr. 23 10117 Berlin
Telefon: 030-27 87 18 12 Telefax: 030-27 87 18 18

Friederike.busch@vf-holtzbrinck.de

www.der-deutsche-innovationspreis.de