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Diese zwei Wege könnten Kliniken in Deutschland entlasten

Aufgrund des hohen Ansturms kommt es auch in Notaufnahmen zu immer längeren Wartezeiten. Dabei gebe es innovative Möglichkeiten das Krankenhauspersonal zu entlasten.

Deutschlands Notaufnahmen werden nahezu überrannt, weil immer mehr Menschen außerhalb der Praxiszeiten in die Krankenhäuser strömen. Alle Aufrufe, nur in dringenden Fällen zur Notaufnahme zu gehen, können scheinbar nicht zu helfen. Mit der Einführung einer Gebühr oder dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) ließe sich das Krankenhauspersonal in vielen Bereichen entlasten. Nur kommen beide Methoden nicht bei allen Verbrauchern gut an.

Die technische Lösung

Notfälle digital priorisieren oder direkt eine alternative 24-Online-Notfallzentrale einrichten: Beide Methoden könnte das Krankenhauspersonal entlasten, heißt es in einer Studie der pronova BKK, einem Zusammenschluss verschiedener Betriebskrankenkassen. Immerhin rund ein Drittel der 1.000 Befragten würde dies sogar befürworten. Noch höher ist aber die Akzeptanz von Robotern bei administrativen Aufgaben, der Überwachung von Vitalwerten und der Medikamentenvergabe in Krankenhäusern. Insgesamt zeigen sich junge Altersgruppen unter 30 Jahren für technische Lösungen im Klinikalltag besonders aufgeschlossen.

Altersübergreifend sprechen sich immerhin 36 Prozent der von der pronova BKK befragten Personen dafür aus, eingehende Fälle in den Notaufnahmen der Kliniken künftig von Robotern nach Dringlichkeit vorselektieren zu lassen, zum Beispiel über ein Terminal mit “virtuellem Arzt” im Anmeldebereich. 39 Prozent sind jedoch dagegen oder haben Zweifel. Ein Drittel würde zudem eine 24 Stunden erreichbare virtuelle Erstberatung nutzen, die man außerhalb von Praxiszeiten bei medizinischen Fragen konsultieren kann, zum Beispiel als Online-Anwendung.

Vor dem Hintergrund, dass Roboter in der Medizin noch eine Zukunftstechnologie sind, wertet Lutz Kaiser, Vorstand der pronova BKK die Prozentzahlen als vergleichweise viel. „Wie unsere Studie zeigt, wird der ergänzende Einsatz intelligenter Roboter sogar in der Notaufnahme von vielen befürwortet – vorausgesetzt, dass Risiken, zum Beispiel in Bezug auf Datenschutz, im Vorfeld bestmöglich eingedämmt werden”, sagt er.

Vielfältige Aufgaben für Klinikroboter

Vergleichsweise bedenkenlos würden die befragten Studienteilnehmer auch administrative Aufgaben an einen digitalen Helfer übertragen, zum Beispiel die Dokumentation abrechenbarer Leistungen für Krankenkassen oder die Vervollständigung und Aktualisierung der elektronischen Patientenakte. Eine Mehrheit von 55 Prozent spricht sich hierbei für den Einsatz von Robotern aus.

Die Zusammenstellung und Vergabe von Medikamenten, würden immerhin vier von zehn Befragten in Roboterhand geben – verbunden mit der Erwartung, dass damit Fehler ausgeschlossen werden. Verbandswechsel und Wundversorgung würde sogar noch ein Drittel der Patienten durch einen Roboter vornehmen lassen.

Geht es um Operationen nimmt die Zustimmung der Befragten jedoch stark ab. Drei Viertel lehnen komplett von Robotern durchgeführte Operationen ab, obwohl Robotertechnik inzwischen bei immer mehr chirurgischen Eingriffen zum Einsatz kommt. Lediglich die Überwachung von Vitalfunktionen während einer Operation durch einen Roboter würde eine Mehrheit von 54 Prozent akzeptieren.

Einführung einer Gebühr

Mit einer finanziellen Steuerung wollte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen bereits im Juli vergangenen Jahres überflüssige Besuche in Notaufnahmen verhindern. In vielen anderen Ländern Europas sei so etwas längst üblich, sagte er damals. In einer aktuellen Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännischen Krankenkasse sprechen sich gerade einmal 50 Prozent für eine solche Gebühr aus, 48 Prozent sind strikt dagegen.

Kritik musste Gassen für seinen Vorschlag allerdings auch von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) einstecken. „Eine solche Strafgebühr ist aus unserer Sicht schlicht falsch“, erklärt die DKG damals. Ihr Lösungsansatz: Es brauche mehr niedergelassen Ärzte, um Patienten besser zu versorgen. Dann würden auch weniger den Weg zur Notfallaufnahme wählen.