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Unter der Schirmherrschaft

Deutschland surft hinterher

Das Internet wird weltweit schneller.

Internetverbindungen werden immer schneller. Hierzulande ist das aber kaum zu spüren. Die Bundesrepublik hechelt der Weltspitze und den europäischen Nachbarländern hinterher.

Deutschland bleibt in Sachen Internetgeschwindigkeit weit hinter der Weltspitze zurück. Im internationalen Vergleich belegt die Bundesrepublik zurzeit gerade einmal Platz 25. Das hat der Technologiekonzern Akamai herausgefunden. In seinem „State of the Internet“-Bericht vergleicht das US-Unternehmen unter anderem die weltweiten Internetgeschwindigkeiten, sowie die Geschwindigkeit von Mobilfunkverbindungen.

Spitzenreiter ist seit Jahren Südkorea. Dort surfen die Einwohner im Schnitt mit 28,6 Megabit   pro Sekunde (Mbit/s). Knapp dahinter belegen Norwegen und Schweden die folgenden Spitzenplätze. Ebenfalls unter die Top 5 schaffen es zudem Hongkong und die Schweiz. Die höchste Spitzengeschwindigkeit verzeichnet, wie auch schon im vergangenen Jahr, Singapur mit 184,5 Mbit/s.

Weltweit legte das Tempo, mit dem sich durchschnittlich im Internet surfen lässt, im ersten Quartal 2017 um 2,3 Prozent zu und liegt nun bei 7,2 Mbit/s. Im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar ein Anstieg um 15 Prozent. Höhere Verbindungsgeschwindigkeiten hätten dazu beigetragen, dass die Internetqualität ein Niveau erreicht habe, das vor wenigen Jahren noch unvorstellbar gewesen sei, sagte David Belson, Herausgeber des Berichts.

In Deutschland surfen die Menschen zwar mit 15,3 Mbit/s, also doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt, doch es reicht noch lange nicht, um mit der Weltspitze mitzuhalten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es große Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt. Der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, wettert deshalb nicht ganz ungerechtfertigt: „Bei uns zuhause haben wir nicht mal ein Mbit auf der Leitung. Und dabei leben wir nicht mal auf dem Land, sondern bloß am Stadtrand von Nürnberg.“

Und auch wenn das Tempo beim Surfen hierzulande wächst, bauen andere Nationen ihren Geschwindigkeitsvorsprung weiter aus, Daher wird die Bundesrepublik in der Tabelle nach hinten durchgereicht. Konnte sich Deutschland im vierten Quartal 2015 noch auf Platz 22 behaupten, verharrt es nun seit einigen Quartalen auf Rang 25. Was verheerend klingt und viele Menschen ärgern dürfte, habe kaum Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, versichert Nick Kriegskotte, Bereichsleiter Telekommunikation beim Digitalverband Bitkom. „Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 50Mbit/s, die Deutschland für 2018 anpeilte und die es in vielen Teilen schon gibt, reicht für die Anwendungen im Geschäftsbereich aus“, sagt er. Firmen, die eine höhere Datennutzung hätten, würden sich Glasfaserkabel legen lassen. Problematisch sei das nicht. 

Doch nicht nur die Weltspitze rennt Deutschland davon – sondern auch Europa. In vielen Ländern des Kontinents können die Bürger mittlerweile schneller surfen als hierzulande. Neben Norwegen und Schweden liegt halb Europa vor Deutschland. Der Grund: „Diese Länder haben sich sehr viel früher um einen konsequenten Ausbau der Infrastruktur gekümmert“, so Kriegskotte, Zu den Staaten, die vor Deutschland liegen, gehören etwa die Schweiz, Finnland, Dänemark, die Niederlande, Rumnänien, die Tschechische Republik, Großbritannien, Lettland, Belgien, Irland, Bulgarien und Spanien. Das sind zusammen vierzehn Länder, in denen die Internetgeschwindigkeit höher ist als in Deutschland – allein in Europa.

Vielen Deutschen ist diese Entwicklung nicht bewusst. Immerhin versprechen die Provider in ihrer Werbung teilweise Geschwindigkeiten von bis zu 500 Mbit/s. Doch Messungen der Bundesnetzagentur ergaben, dass das oft nur Schall und Rauch ist. Viele der Internetanschlüsse lieferten nur einen Bruchteil der eigentlich versprochenen Geschwindigkeit beim Surfen. Künftig will die Behörde die Betreiber durch strenge Vorgaben dazu bringen, sich an ihre Versprechen zu halten. Das Internet macht das aber nicht schneller – wenn die Provider nicht länger den Mund so voll nehmen dürfen.

Trotz des nur durchschnittlichen Abschneidens blickt Breitbandexperte Kriegskotte vom Digitalverband Bitkom positiv in die Zukunft. „Die Politik hat im vergangenen Jahr einige wichtige Fördermaßnahmen angestoßen. Die Auswirkungen werden sich aber erst in den nächsten Jahren zeigen“, sagt Kriegskotte. Ausruhen dürfe sie sich darauf aber nicht. Das weiß auch BDI-Chef Kempf zu betonen: „Die Unternehmen brauchen bis 2025 flächendeckende bedarfsgerechte Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz.“

Immerhin bei den mobilen Verbindungen kann Deutschland schon jetzt auftrumpfen. Zwar veröffentlicht der Technikkonzern Akamai in dieser Kategorie keine weltweite Rangliste, doch liegt Deutschland mit 24,1 Mbit/s hinter Großbritannien auf Platz 2 der beispielhaft aufgeführten Länder. Zum Vergleich: In den USA lag die durchschnittliche Geschwindigkeit für mobile Verbindungen bei 10Mbit/s, im Nahen Osten und Afrika bei 13,7 Mbit/s. Den niedrigsten Wert verzeichnet Venezuela mit gerade einmal 2,8 Mbit/s.

Ein Blick auf die Gesamtentwicklung zeigt: Das via Mobilfunkverbindungen übertragene Datenvolumen wächst steigt rasant. Getrieben wird dieser Fortschritt laut Akamai von zwei Entwicklungen: Zum einen verbreiten sich Smartphones immer weiter und werden nun in fast jedem Winkel der Welt genutzt. Zum anderen werden auf den Handys immer mehr Videos geschaut. Das lässt das Datenvolumen rapide steigen. Allein im vergangenen Quartal legte es um 12 Prozent zu. Im Vergleich zu 2016 stieg der Datenverkehr gar um 70 Prozent an.


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