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Expertenkommission: Innovationspotenzial im Mittelstand liegt brach

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat das Gutachten 2016 an die Bundesregierung übergeben. © Bundesregierung/Marvin Ibo Güngör

Kleine und mittelständische Unternehmen investieren zunehmend weniger in Forschung, so das Ergebnis des aktuellen Jahresgutachtens der Expertenkommission für Forschung und Innovation.

In ihrem neuen Jahresgutachten, das am 17. Februar der Bundeskanzlerin in Berlin übergeben wurde, behandelt die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) die Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und ihre Innovationsleistungen. KMU werden gemeinhin als eine der besonderen Stärken der deutschen Volkswirtschaft bezeichnet. Dabei wird vor allem auf ihre große Bedeutung für Beschäftigung und Innovation verwiesen.

Aber, so präzisiert Monika Schnitzer von der Ludwig-Maximilians-Univer­si­tät München und Mitglied der Expertenkommission, "dies gilt insbesondere für die Teilgrup­pe der sogenannten 'Hidden Champions', also der eher unbekannten, aber innovativen und besonders erfolgreichen Unternehmen, die zumeist zu den größeren KMU zu rechnen sind. Die Gesamtgruppe der KMU jedoch ist in ihrer Innovationsleistung deutlich schwächer."

Uwe Cantner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, ebenfalls Mitglied der Expertenkommission, ergänzt, dass der Trend seit Jahren negativ sei. "Die Bereitschaft der KMU, in Innovationsaktivitäten wie auch in Forschungsprojekte zu investieren, hat seit Jahren abge­nommen." Dies verdeutliche, dass hier inzwischen großer Handlungsbedarf bestehe. Auch der Vergleich mit dem Ausland gebe Anlass zur Sorge.

"Die Innovationsausgaben der KMU in Deutschland sind geringer als in den Vergleichsländern", so Cantner. Patentaktivitäten und Innovationserfolge deutscher KMU wiesen im internationalen Vergleich "ein gemischtes Bild" auf: Während deutsche KMU bei der Häufigkeit der Produkt- oder Prozessinnovationen führten, erreichten sie bezüglich der Patentintensität und des Umsatzanteils mit neuen Pro­duk­ten im europäischen Vergleich nur einen Platz im Mittelfeld.

Zunehmender Mangel an Fachkräften

"Durch den Mangel an internen Finanzierungsquellen und den zunehmenden Mangel an Fachkräften liegt vorhandenes Innovationspotenzial von KMU in Deutschland brach", so der Jenaer Wirtschaftswissenschaftler Cantner.

Schnitzer weiter: "In Deutschland werden nur 14 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) von KMU aus staatlichen Quellen finanziert. In den meisten Ver­gleichs­ländern, die neben der direkten Förderung auch über eine steuerliche FuE-Förderung verfügen, ist dieser Anteil mehr als doppelt so hoch." Bei dieser Förderung werde den Un­ternehmen eine Steuergutschrift proportional zur Höhe ihrer FuE-Ausgaben gewährt. Das Instrument stehe Unternehmen in den meisten OECD-Ländern zur Verfügung, Deutschland jedoch mache bislang hiervon noch keinen Gebrauch.

Die Expertenkommission unter Vorsitz von Dietmar Harhoff vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb setzt sich bereits seit einiger Zeit nachdrücklich für die Ein­führung einer steuerlichen FuE-Förderung in Deutschland ein. Sollten Budgetrestriktionen im Bundeshaushalt nur eine begrenzte steuerliche Förderung ermöglichen, könne sie zunächst vornehmlich für KMU oder mit einer Begrenzung der Fördersumme eingesetzt werden.

Schnitzer: "Die Bundesregierung muss hier endlich handeln."

Empfehlungen der Expertenkommission

Um die Finanzierungssituation von KMU zu verbessern, empfiehlt die Expertenkommission:

- Die bisher verwendeten Förderinstrumente sollten um die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung unter besonderer Beachtung der KMU-Belange ergänzt werden.

- Um die Rahmenbedingungen für Wagniskapital (als Eigenkapital zur Verfügung gestellte Mittel für Existenzgründer und junge Unternehmen) und damit die Finanzierungsmöglich­keiten für innovative Unternehmen zu verbessern, müssen endlich die im Koalitionsver­trag 2013 angekündigten gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden. Dabei sollte das Hauptaugenmerk der Politik darauf liegen, die private Finanzierung von Unternehmens­grün­dun­gen zu erleichtern.

Abschließend weist Schnitzer darauf hin, dass "im Zuge der demografischen Entwick­lung und der Wissensintensivierung der Wirtschaft der Fachkräftemangel zunehmend zu einem Innovationshemmnis zu werden droht. Das Angebot an Fachkräften ist insgesamt zu erhöhen. Politik, Kammern und Verbände sollten ihre Unterstützungsmaßnahmen für KMU, die ausländische Fachkräfte rekrutieren, intensivieren und eine entsprechende Informations­kampagne für KMU in Deutschland starten.

Einen Auszug aus dem Jahresgutachten finden Sie hier: http://www.e-fi.de/fileadmin/Inhaltskapitel_2016/EFI_2016_B1.pdf

Hier können Sie noch einmal die Übergabe des Jahresgutachtens an die Bundeskanzlerin sehen.

Über EFI

"Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)mit Sitz in Berlin leistet wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt regelmäßig Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des For­schungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.


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